GESCHICHTE

Vom Fischerdorf zum Ferienort

Der Küstenort Glowe – entstand in naher Umgebung eines Jungmoränenkopfes, dem heute so genannten „Königshörn“, durch slawische Erstbesiedlung.
Die Slawen bezeichneten ihren sorgsam ausgewählten Siedlungsplatz „glova“ (Kopf).
Unter diesem Namen wurde die Ansiedlung um 1314 erstmals urkundlich registriert.
Über Jahrhunderte hinweg galt Glowe als ein Ort des traditionellen Fischhandwerks, wovon heute nur noch ein privat geführter Fischereibetrieb, mit eigener Räucherei, übrig geblieben ist.

Der große Kiefernbestand in der „Schaabe“ zwischen Glowe und Juliusruh gehört zum Bestand schützenswerter Waldgürtel Europas.
Auch historisch ist Glowe durch zwei Ereignisse über die Insel hinaus bekannt geworden.
Zum einen durch dreimalige Versuche von Militärs, in den Jahren 1877, 1936 und 1950
einen Kanal zwischen Meer und Bodden zu errichten und zum anderen durch die Errichtung der 1936 in Betrieb genommenen Küstenfunkstation „Rügenradio“, die allerdings im Jahr 1996 stillgelegt wurde.

Viele neu entstandene Ferienhäuser vermischen sich heute mit alten und typischen Stilbauten des Nordens und verleihen dadurch dem Ort einen interessanten und einladenden Charakter.

Zur Gemeinde Glowe gehören – der Ort Bobbin, Standort der ältesten Feldsteinkirche auf der Insel Rügen, der Ortsteil Spyker mit der Schlossanlage des einstigen Herrschaftssitzes von Feldmarschalls Gustav von Wrangel aus Schweden, der ehemalige Fischerort Polchow am Großen Jasmunder Bodden sowie die Ortsteile Ruschvitz, Balderek und Kampe.
Nach modernen Gesichtspunkten entstand im Jahr 2000 eine neue Hafenanlage mit 100 Liegeplätzen, vorwiegend gedacht für Sportboote und als Stützpunkt für Wasserfahrzeuge der privaten Fischereiwirtschaft welcher 2018 nochmals erweitert wurde.
Die ebenso rekonstruierte 2 Kilometer lange Strandpromenade und eine großflächig angelegte Kurplatzeinrichtung, ausgestattet mit verschiedenen Versorgungshäuschen sowie einer Strandkorbvermietung, wurde im Jahr 2002 der Bestimmung übergeben.
Seit mehr als 100 Jahren ist Glowe ein Feriendomizil für Jung und Alt und vor allem für Familien mit Kindern.
Das zu jeder Jahreszeit hier vorherrschende heilsame Reizklima im Küstenbereich, hervorgerufen durch eine hohe Konzentration an jodhaltiger Luft, ist Balsam zur Linderung und Ausheilung von Haut- und Atemwegserkrankungen. Deshalb öffnete auch im Bereich des „Königshörn“ im Jahr 1996 eine großräumig angelegte Mutter – Kind – Kurklinik die Pforten.

Geschichtstafeln der Gemeinde Glowe

Ur- und Frühgeschichte der Gemeinde Glowe

Auf dem Areal der Gemeinde Glowe liegen zahlreiche Fundplätze aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit, die sowohl dem Fachmann wie auch dem interessierten Laien Einblicke in die geschichtliche Entwicklung dieser Region Rügens bieten.
Am Spülsaum des Ufers des Großen Jasmunder Boddens kann man kleine Feuersteingeräte (Stielspitzen) entdecken, die bereits von Jägern und Fischern in der ausgehenden Altsteinzeit (um 10000 vor Christi) benutzt wurden. In der Nähe von Tümpeln, Sümpfen und Söllen liegen weiterhin auch ausgedehnte, saisonal genutzte Siedlungsplätze der Menschen der Mittelsteinzeit (ca. 6000 bis 4000 v.Chr.). Kernbeile, Scheibenbeile und Geweihgeräte zeugen schon von hochspezialisierten Arbeitstechniken.

Am häufigsten treten in unserem Gebiet Funde aus der Jungsteinzeit (ca. 3000 bis 1800 v.Chr.) auf. Meistenteils liegen diese Fundplätze in unmittelbarer Nähe heutiger Siedlungen; es waren die ersten Ackerbauern und Viehzüchter, welche der Landschaft schon damals ihr heutiges Gepräge verliehen.
Unmittelbar am Ortseingang von Glowe, am „Süßling“, liegt der Fundplatz eines Hortfundes, welcher aus der Jungsteinzeit stammt.
Diesen Schatz (fein geschliffene dünnnackige und dicknackige Feuersteinbeile) hatte man vor etwa 4000 Jahren möglicherweise als Opfergabe bestimmten Gottheiten geweiht und auf „ewige“ Zeiten der Mutter Erde anvertraut.
In den Nachbargemeinden Lohme, Sassnitz und Sagard können eindrucksvolle Großsteingräber, die kollektiven Begräbnisstätten der Ackerbauern und Viehzüchter, besichtigt werden.

Auch während der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit bestand eine nachweisliche Siedlungskontinuität des Raumes um Glowe. So lagen beispielsweise in der Nähe von Bobbin und bei Polchow Produktionsstätten für bronzezeitliche Geräte. Markanteste Beispiele sind Funde von Tüllenbeilen und Teile von herrlich verzierten bronzenen Schwertern, Dolchen und Schmuckstücken.
Sogar ein kostbarer goldener Armreif mit Spiralenden stammt aus unserer Umgebung.

Sichtbare Zeugnisse aus jener Zeit sind die zahlreichen Hügelgräber, welche das Landschaftsbild der Halbinsel Jasmund prägen (Dobberworth bei Sagard, Schildkröte bei Nardevitz …).

Oft lassen sich die Fundplätze aus der vorrömischen Eisenzeit und der darauffolgenden römischen Kaiserzeit (Ende etwa um 400 n.Chr.) in unserem Fundgebiet nicht trennen, da sie nahtlos ineinander übergehen. Die Bevölkerung jener Zeit gehörte unterschiedlichen germanischen Stammesverbänden an, vorwiegend den „Rugini“. Das ausgedehnteste germanische Siedlungsareal liegt hier in der geschützten Senke im Uferbereich zwischen Spyker, Ruschvitz und Baldereck. 
Besonders letztgenannter Ortsname könnte schon auf eine Namensgebung durch die Germanen deuten (Baldr – Sohn Odins, Lichtgestalt in der germanischen Götterwelt).

Im Zentrum dieses Wohngebietes befindet sich auch der dazugehörige Begräbnisplatz; es ist der kleine strauch- und baumbewachsene Hügel direkt an der Kreisstraße gegenüber Schloss Spyker (auf der Weide der Angus-Rinder). (Vielleicht ist es nicht sehr pietätvoll, dass die Angus auf den Gräbern unserer Ahnen herumtrampeln. Aber: Wenn wir den Boden überall, wo kulturgeschichtliches liegt, nicht mehr nutzen wollten, könnten wir hier gleich wegziehen.)

Die letzte bedeutungsvolle frühgeschichtliche Ära begann für die gesamte Insel Rügen mit der Einwanderung der Slawen im 8. Jahrhundert, bis nach der Erstürmung der Tempelburg Arkona durch die Dänen im Jahre 1168 und im Hochmittelalter mit der kontinuierlichen Ausbreitung des Christentums in frühdeutscher Zeit die Feudalgesellschaft für Jahrhunderte Menschen und Landschaft prägte.

Fast alle Ortsnamen, welche die Endungen –itz, -nitz, -ow und –in tragen, entstanden in slawischer Zeit. Ausgrabungen auf dem großen slawischen Gräberfeld vor Ruschvitz ließen anhand der Bestattungen erkennen, dass es auch besonders in jungslawischer Zeit (11.-12. Jahrhundert) viele kriegerische Auseinandersetzungen mit Nachbarvölkern, so auch mit den wikingischen Seefahrern, gegeben haben mag. Unzählige Bodenfunde slawischer wie auch nordeuropäischer Herkunft, die auf Siedlungsplätzen der Gemeinde Glowe geborgen wurden, zeugen von einem hohen handwerklichen und kulturellen Niveau unserer Vorfahren in jener Epoche.