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Die Kreide von Rügen

Von Rudolf Sachse

Hinweis: Enthält auch interessante Aussagen zum Thema "Feuerstein"

zitiert aus:

Glowe und Umgebung (Nordost-Rügen)- Physisch-geographischer Exkursionsführer

Für das Fernstudium verfaßt von einem Autorenkollektiv des Institutes für Geographie der Pädagogischen Hochschule Potsdam unter Leitung von Prof. Dr. J.F.Gellert ,Redaktion: Dr. R. Weiße, Herausgegeben von der Fachkommission Geographie 1965

1. Vorkommen der Kreide

Wissower KlinkenIm vorstehenden Abschnitt "Jasmund" wurde die Abtragung der Kreide und die daraus resultierenden Oberflächen- und Steiluferformen dargelegt. Die Kreide, auch Schreibkreide oder weißes Gold Rügens genannt, ist aber nicht nur wegen ihrer imposanten Felsbildungen, vor allem wegen ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung ein Gestein, das unser besonderes Interesse verdient.

An der vielfältig gestalteten Steilküste der angeschnittenen größeren pleistozänen Inselkern von Wittow und Jasmund, und in den Kreidegruben in der Umgebung von Sassnitz und Sagard ist die Kreide aufgeschlossen. Hier haben wir einen tiefen Einblick in den Bau der aus "Kreidefelsen" und glazigenen Ablagerungen aufgebauten Inselkerne.

Auf Wittow sind die auch als Kreideschollen bezeichneten großen Felsblöcke vorwiegend im Kap Arkona "schwimmend" in die anderen Ablagerungen eingebettet, während Jasmund als Ganzes einen intensiven Schollen-, Falten- und Schuppenbau von Kreidefelsen zeigt.

Das anstehende Kreidegestein befindet sich in unmittelbarer Umgebung der zum Teil aufgeschlossenen Schollen. Wir können die "gewachsene" Kreide von verschiedenen Aussichtspunkten der Steiluferwege östlich und nördlich der Stubnitz als Abrasionsplatte sehen. Die Kreideschollen der pleistozänen Inselkerne von Wittow und Jasmund sind durch glaziale Stauchungen zutage gefördert worden, d.h. sie sind glazialtektonisch, durch den Druck des Inlandeises hochgepreßt, hochgeschoben worden.

Außer der anstehenden Kreide und den durch glaziale Stauchungen aus ihr zutage geförderten Kreideschollen gibt es noch mechanisch und chemisch zerkleinerte Kreidegeschiebe, die ebenfalls nur in nächster Umgebung ihrer Herkunft in den glazigenen Ablagerungen eingelagert sind. Ihr prozentualer Anteil als auf Nordrügen einheimisches Geschiebe nimmt mit zunehmender Entfernung vom Anstehenden und der Kreideschollen ab, da sie wenig widerständig und ihr Aggregatzustnd durch Wassereinfluß sehr stark veränderlich ist.

2. Entstehung und Alter der Kreide

Die Kreide ist petrographisch (gesteinskundlich) gesehen ein Kalkstein, der marin, auf dem Boden eines Meeres entstanden ist. Wie alle Kalksteine ist die Kreide ein Kalziumkarbonat (CaCO3). Durch Ausfällen von Kalk aus dem Wasser bzw. vorwiegend aus Ablagerungen von Kalkschalen und -skeletten, aus Muscheln und anderen Tieren, die aus Kalk aufgebaut sind, ist sie entstanden. Auf Nordrügen wird sie auch Schreibkreide genannt, weil sie ein feinkörniges, weißes und abfärbendes Substrat ist, das vorwiegend aus Foraminiferenschalen (Foraminiferen: Lochträger) besteht.

Für unsere Wirtschaft ist sie ein wichtiger Rohstoff, der zur Herstellung von Farben und Tafelschreibkreide dient. Ferner ist sie dem Chemiker als kohlensaurer Kalk ein unentbehrlicher Stoff und dem Arzt ein wichtiges Heilmittel.

Kreide ist auch ein erdgeschichtlicher, also ein Zeitbegriff. Man versteht darunter das jüngste, das auf den Jura folgende System (Formation) des Mesozoikums, des Mittelalters unserer Erde, die Zeit vor rund 130 Millionen bis vor 60 Millionen Jahren. Zu Beginn der Kreidezeit transgredierte das "Kreide"meer von Nordengland aus bis zum Fuß der mitteldeutschen Landschwelle. Seine Ostküste folgte etwa der Nord-Süd-Linie Kiel-Harz.

Nach und nach erweiterte es sich zunächst nach Süden und insbesondere am Ende der Unterkreide, wie man die ältere Kreidezeit nennt, auch nach Osten, so daß eine Verbindung zum sogenannten russischen Meer dieser Zeit zustande kam. Dieser transgressive Charakter steigerte sich in der zweiten Hälfte der Kreidezeit, der Oberen Kreide, in der das Kreidemeer bis ins heutige Elbsandsteingebirge und nach Böhmen reichte und im Norden Südschweden und den baltischen Raum überflutete.

Der Höhepunkt dieser Überflutung war im Senon, einer geologischen Stufe (kleinere Zeiteinheit) der Oberkreide, der wir u.a. auch die wesentlichsten Kreidebildungen auf Rügen verdanken. Der Manel an Abtragungssedimenten läßt auf dem Boden dieses Meeres vor allem, wie oben erwähnt, chemische Sedimente wie Kalke, z.B. die Kreide, entstehen.

3. Die Feuersteine

FeuersteinfelderEin weiteres, aber nur auf Nordrügen als einheimisches Geschiebe zu bezeichnendes Gestein ist der Feuerstein, der im Englichen und danach in der Fachliteratur auch als Flint bezeichnet wird. Feuersteine sind sehr widerstandsfähig und bleiben selbst bei langen Transportwegen erhalten oder verwittern nur äußerst langsam. Die in der Kreide enthaltenen Feuersteine sind ein vorwiegend aus Chalzedon, Kieselsäure (SiO2) bestehendes, knolliges, muschliges und nach Bruch scharfkantiges Gestein von grauer, meist schwärzlicher Farbe.

Mit plattigen Splitteren kann man schneiden oder schaben - eine Eigenschaft des Feuersteins, die sich der Mensch in der Mittleren Steinzeit (etwa 8000 bis vor 2500 Jahren) zur Herstellung von Scheibenkeilen, Kernbeilen, Schabern und anderem Werkzeug nutzbar machte. In der Umgebung von Glowe wurden vom 1962 verstorbenen Heimatforscher, Herrn Fleischermeister ROGGE 10 prähistorische Fundplätze der genannten Werkzeuge entdeckt und ausgegraben. Einer der Fundorte war auf dem Königshörn, ein anderen in der Nähe des kleinen pleistozänen Kernes von Wall bei Glowe und mehrere Fund- und Teilfundplätze könnten an verschiedenen Stellen innerhalb der Gemeindeflur von Glowe entdeckt werden.

FeuertsteineDer graue Feuerstein liegt bänderartig parallel zur Schichtung in der turonen, der älteren Kreide. Der wesentlich häufigere schwarze oder schwärzliche Feuerstein findet sich in ähnlicher Lagerungsweise in der jüngeren Kreide des Senon. Turon (älter) und Senon (jünger) sind geologische Stufen, Zeiteinheiten, der geologischen Abteilung (größere Zeiteinheit) Obere Kreide. Die Knollen liegen bis auf Ausnahmen bei ungestörter Lagerung in Bändern von etwa 1 m Abstand, also in bestimmten Horizonten der Kreide, so daß sich Kreide und Feuerstein ständig wiederholen. Da die Schreibkreide kein ausgesprochenes Schicht-, mehr ein Massengestein ist, spiegelt uns der Verlauf der Feuersteinbänder sehr anschaulich die spägere tektonische Veränderung, die glazialtektonische Bewegung der Kreideschollen, wieder.

Feuersteine sind aus beweglicher Kieselsäure entstanden und bildeten, wenn sie erstarrten, das Gefüge des ursprünglich an ihrer Stelle vorhandenen Kreidesediments volumengetreu nach oder wurden in ihrer Form durch mehr oder weniger umgewandelte Fossilreste bestimmt, die im Kreideschlamm bzw. der Kreide eingebettet waren. Heute nimmt man an, daß die Kieselsäure, welche die Einkieselung bewirkte, aus Skeletten von Kieselorganismen, vor allem von Kieselschwämmen stammt. Durch Porenwasserströmung wurde sie zum Meeresgrund verfrachtet und dabei konzentriert. In jeweils bestimmten Tiefen (Abstand der Feuersteinbänder) schlug sich die Kieselsäure nieder.

(Anmerkung der WebRedaktion: Und wenn bei dem oben beschriebenen Vorgang ein Feuerstein mit einem durchgehenden Loch entstand, dann nennt man das hierzulande einen "Hühnergott".)

4. Fossilien in der Kreide

Ähnlich der Feuersteinknollenbildung ist, wie oben bereits erwähnt, eine besondere Bildung, die Nach- oder besser Abbildung Donnerkeilvon Lebewesen aus Feuerstein.

An viele Hartteile, die rauh genug waren und Ansatzpunkte für eine Auf- oder Anlagerung gaben, legt sich die Kieselsäure im Rahmen einer Inkrustation an und füllt den Innenraum mit Kieselgallerte, die sich später verfestigt. Gehäuse, hornige Weichteile u.a. verschwinden, und die über Kieselgallerte erstarrte Feuersteinmasse gibt dann als Ausguß die äußere Form wieder, die wir auch Fossil nennen. Vorstehend als Beispiel einige Abbildungen von Fossilien (Steinkernen), die wir als "Gesteinsguß" in unserem Exkursionsgebiet besonders häufig finden können.

Lied "Mine Heimat" Störtebeker Sage Sagen Schloß Spycker Die Kreide von Rügen Der Schulpatron Der Hünergott und Blumentopf Der Name "Tromper Wiek
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